Anachore #1 [A story written by Neyla Kunta]

Vorwort:

Ich dachte, ich zeige euch mal etwas, was ich geschrieben habe. Selbstverständlich würde ich mich ja darüber freuen, wenn ihr meine Geschichte teilt. Aber nur wenn ihr wollt und sie euch überhaupt gefällt. Ich hab seit ein einer kleinen Weile keine freie Geschichte mehr geschrieben, ich hoffe, sie gefällt euch.


anachore.jpg

Weihnachtszeit ist eine Scheißzeit.
Das ist der einzige Gedanke der Anachore Jenler durch den Kopf ging als sie durch die dunklen Gassen von Etabaya schlich. Für eine Gestaltswandlerin wie sie es war, sollte es an sich nicht schwer sein, sich in ein Wesen zu verwandeln, welches den Schnee liebte.  Eine einfache Schneeeule hätte ausgereicht um sich zu tarnen und nicht zu erfrieren. Doch egal wie sie sehr sich auch anstrengte, es wollte nicht funktionieren.  Vor lauter Frust stieß sie einen gellenden Schrei aus der von einer roten Stichflamme begleitet wurde. In ihren orangenen Augen flackerte die Wut über ihre eigene Unfähigkeit, sich nicht in etwas anderes als einen Drachen verwandeln zu können, auf.
Hinter ihr hörte sie Schritte näher kommen. Anscheinend hatte man sie gehört. Wie so oft blieb ihr nur die Flucht nach vorne oder nach oben. Und genauso oft, wie sie auf der Flucht war, entschied  sich Anachore dafür zu fliegen.
Die Wandlung der Gestalt war ein schmerzhafter, energiezerrender Prozess, selbst wenn man nur einen Teil seiner Körpers wandeln wollte. Da Anachore nicht viel Zeit blieb zu entscheiden, welche Art der Wandlung sie durchführen wollte, entschied sie sich einfach für die schnellste Varriante: Die Gestaltswandlung durch ein Blutopfer. Zu den Gegenständen die sie mit sich führte zählte leider kein Kleintier, welches sie hätte opfern können. Das töten von wehrlosen Tieren lag ihr sowieso nicht im Blut. Sie hatte jedoch nichts dagegen, sich selbst für eine reibungslose Verwandlung zu verletzen. So zog sie blitzschnell die Klinge ihres Messers über den Handballen ihrer linken Hand, formte ihre Hand zu einer Faust und ließ die Blutstropfen in einem engen Kreis um sie herum in den schlammdurchzogenen Schnee fallen. Ein scharfer Schmerz zog sich durch ihren linken Arm bis zu ihrer Brust hinauf. Doch sie war daran gewöhnt und so entfuhr dem Drachenmädchen auch kein Schmerzenslaut der ihre Verfolger näher zu ihr herangeführt hätte.
Transformatio“, war das einzige Wort welches ihr über die Lippen kam.
Der Schmerz welcher auf dieses simple Wort folgte, zwang sie in die Knie, ließ sie schreien. Heiße Flammen die von rot in blau zu wechseln drohten drangen aus ihrer Kehle hervor. Ihr Rücken begann sich zu verformen, es sah so aus, als würde unter ihrer leicht geschuppten Haut etwas leben, was sich nun einen Weg raus aus ihrem Körper suchen wollte.  Anachores Körper kippte nach vorne als auf einen Schlag zwei Flügel aus ihrem Rücken sprossen und sie in die Höhe rissen, ehe sie auf dem eisigen Boden aufschlug.
Sie schwebte nur wenige Zentimeter über dem Boden doch allein das reichte ihr schon, um sich wieder zu beruhigen.
Um die Ecke der dunklen Gasse schossen mehrere Gestalten auf sie zu, wie viele konnte sie nicht ausmachen.  Das einzige was sie in ihrer sich anbahnenden Panik wahrnahm, waren die Waffen, welche ihre Verfolger mit sich herumtrugen.  Schusswaffen. Armbrüste, Pistolen. Sie konnte ein Kind mit einer Schleuder ausmachen.
Mit einer fließenden Bewegung ihrer Flügel stieß sich Anachore vom Boden ab und zischte mehrere Meter über die Dächer der Häuser von Etabaya davon.  Sie hörte mehrere Geschosse knapp an ihrem Körper vorbei zischen. Schnell wandte sie sich um. Ein Fehler. Ein dumpfer Aufprall an ihrem Rücken, knapp neben ihrem rechten Flügel. Das nächste Geschoss traf sie direkt am Flügel und ließ sie etwas hin absinken. Das Adrenalin ließ sie den Schmerz nicht spüren, doch sie wusste, dass wenn sie in Sicherheit war, er kommen würde.
Ihr Orientierungssinn hatte sie im Stich gelassen, der Fluchttrieb hatte die Kontrolle über ihr Denken und Handeln übernommen.  Durch die eiskalte Luft des Winters schoss sie in Richtung Kirchturm davon. Auch wenn sie diese nicht betreten konnte, so fühlte sie sich in der Nähe der Kirche sicherer. Denn dieses Gebiet kannte sie besser als jeden anderen Stadtteil Etabayas.
Die Kälte machte ihr zu schaffen und so musste sich Anachore schon einige  Straßen vor der Kirche auf einem Hausdach niederlassen. Sobald ihre Füße den Dachgiebel berührten, verschwanden ihre Flügel. Durch das fehlende Gewicht ihrer Flügel geriet sie ins schwanken und konnte nichts anderes tun als sich an der Esse festzuklammern und zu hoffen, dass sie nicht abrutschen würde.
Mit einem Schlag war ihr Adrenalinschub vorbei und sie sank wackelig auf das Dach. Der Schmerz kam sofort und ließ ihre Sicht verschwimmen. Sie spürte nichts anderes als einen unerträgliches Stechen und Ziehen in ihrem Körper wann immer sie einatmete.  Ihr Atem ging schnell und schien in der Kälte die sie umgab zu qualmen. Sie versuchte ruhiger zu atmen und ließ ihren Blick dabei über die Stadt schweifen.  Hinter den Bergen sah sie den Himmel bereits dunkler werden und rechnete sich aus, dass es bald anfangen würde zu schneien.
Es waren noch zwei Tage bis Weihnachten.
Zwei Tage die sie hatte, um Etabaya für den Rest des Winters zu verlassen und in die Berge zu fliehen.
Am 24. Dezember, der Geburt Jesu Christi, machten sich viele der Stadtbewohner auf, alle Mischwesen zu finden, die unter ihnen lebten, und zu töten. Ein alljährliches Ritual, dass es schon so lang gab, dass sich Anachore gar nicht daran erinnern konnte, wie es entstanden war. Sie vermutete, es hing damit zusammen, dass sich die Menschen als übermächtig sahen und einfach Angst vor allen Andersartigen hatten.
Doch dies war nicht der einzige Grund für sie, die Stadt zu verlassen. Denn je kälter es wurde, desto schlechter standen die Chancen für sie zu überleben. Sie war ein Feuerdrache, lebte für die Hitze und die Wärme die der Sommer mit sich brachte und die Energie welche er ihr schenkte. Anachore war es, obwohl sie nun schon 17 Winter miterlebt hatte, immer noch nicht gewohnt, zu frieren und das Schwinden ihrer Kräfte zu ertragen. Für sie gab es nichts Schlimmeres als eines Morgens aufzuwachen und feststellen zu müssen, dass ihre Krallen über Nacht stumpf, ihre Haut grau und rissig geworden war. Das Schlimmste unter all diesen schlimmen Dingen war jedoch das Gefühl, dass ihr inneres Feuer nur noch zu einem kleinen Flämmchen zusammengeschrumpft war, was ihren Körper kaum noch am Leben erhalten konnte.
Mit einem Kopfschüttel versuchte sie dies grausigen Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben und wandte sich wieder ihrem aktuellen Problem zu: Von diesem Dach runterzukommen.
Zunächst etwas unsicher auf den Beinen stand Anachore wieder auf. Der Schmerz in ihrem Rücken war zu einem stetigen Pochen geworden, welches sie zu ignorieren versuchte. Ihre Zuversicht kam erst wieder, als sie sich um die Esse des Kamins des Hauses unter ihr vorbei gedrückt hatte und die Sprossen der Metallringe spürte, welche in den Stein geschlagen wurden. Das Metall war rutschig und glatt doch sie versuchte nicht daran zu denken sondern sich einfach nach unten zu hangeln. Nach geschlagenen zehn Minuten spürte sie endlich wieder festen Grund unter ihren Füßen. Die aufkeimende Erleichterung wich einem dumpfen Gefühl von Beklommenheit denn ihr wurde bewusst, dass sie sich nun weit entfernt von ihrer eigentlich angepeilten Nahrungsquelle befand.
Eigentlich wollte sie in den Vorratskeller einer wohlhabenden Familie einbrechen, welche schon mehrfach an der Jagd teilgenommen hatte. Sie würde es nicht bedauern, würden diese Menschen den harten Winter nicht überstehen.  Sie hatte allgemein ein Problem mit Menschen, auch wenn es da einen einzigen gab, den sie nicht hasste.
Sie machte sich auf den Weg zu Parser Augard, der einzige, der ihr helfen konnte, als schon der erste Schneefall einsetze. Sie spürte wie einige  Flocken auf ihrer heißen Haut verdampften und ein kaltes Gefühl auf ihr zurück ließen. Sie hatte kaum noch die Kraft, um sich warm zu halten. Ihr Körper verwendete all seine Reserven, um sie zu heilen.
Das Drachenmädchen zog sich die Kapuze ihres schwarzen zu großen Mantels tiefer ins Gesicht und vergrub ihre Hände in den tiefen Taschen in denen sie allerlei kleine Dinge gesteckt hatte. Von einem Feuerzeug bis hin zu einem kleinen Dolch.  Bedächtig wählte sie ihren Weg bis hin zu Parsers Wohnung, den Kopf stets gesenkt. Denn selbst wenn sie in ihrer Menschengestalt unterwegs war, so erkannte man doch an ihren Augen, was sie wirklich war. Ein Ungeheuer, ein Monster und definitiv kein Mensch.
Als sie endlich vor dem Wohnhaus aus Backstein ankam, in dem Parser mit verschiedenen anderen Menschen wohnte, schmerzte die Wunde an ihrem Rücken so unerträglich, dass es sie fast alle Kraft abverlangte, um überhaupt auf den Beinen zu bleiben.  Müde stützte sie sich an der kalten Wand ab und klingelte, in der Hoffnung, dass er überhaupt zu Hause war und ihr schnell aufmachen würde.
Mit einem Ruck ging die Tür auf und Anachore richtete ihre müden Augen in das Gesicht eines ihr gänzlich fremden Mädchens.
„Was zum…“, entfuhr es dem Mädchen bevor sich eine Hand von hinten um ihren Mund legte. „Cassia, es ist okay. Sie gehört zu mir.“ Parser sprach in einer beruhigenden Tonlage mit ihr.
„Parser was soll der Scheiß? Wieso ist sie hier? Wieso lässt du eine Fremde deine Tür öffnen?“ Anachore zischte diese Worte nur zwischen zusammen gebissenen Zähnen und funkelte den braunhaarigen Mann mit nur wütend an. Ihre orangenen Augen schien zu glühen.
„Ich wusste nicht, dass du kommst.“ Sagte er in ruhigem Ton und hielt das Mädchen vor sich so fest umklammert, dass sie sich nicht rühren konnte. „Sie ist eine Freundin von mir.“
„Wie soll ich jetzt reinkommen, hm?  Sie hat mir die Tür geöffnet verdammt. Befehl ihr, dass sie mich rein lassen soll“, forderte Anachore und ihr Atem wurde heiß während ihre Augen ihn wütend anblitzten. Sie spürte wie die Wunden in ihrem Rücken etwas weiter aufrissen, als sie sich an der Mauer höher schob.
„Du machst ihr Angst. So geht das nicht.“
„Es ist mir scheiß egal, was ich mit ihr mache. Wenn sie mich nicht sofort rein lässt schleif ich sie hier raus und veranstalte mein eigenes kleinen Festmahl mit ihr.“
Ein Wimmern drang nun doch aus der Kehle des Mädchens hervor und ihre von Schock geweiteten Augen spiegelten nichts als Angst wieder.
„Hör zu Mensch. Wie war dein Name? Cassia? Gut. Du wirst mich jetzt hier, in dieses Haus hineinbitten, oder ich schwöre dir, dass ich zu Weihnachten jagt auf dich machen werde.“ Von dem blanken Schmerz in ihrem Rücken getrieben spie sie die Worte gerad zu mit letzter Energie hervor. Ein kurzes Nicken kam von dem Mädchen woraufhin Parser ihren Mund freigab.
„Du darfst eintreten“, murmelte sie halblaut in Anachores Richtung.
„Danke. Zu freundlich.“ Wütend stapfte sie an den beiden vorbei und die Treppe hoch. Sie versuchte standhaft zu bleiben und dem Mädchen nicht zu zeigen, wie viel Anstrengung es sie kostete, die Stufen zu erklimmen.
„Cassia, bitte schrei nicht. Bitte komm einfach mit hoch. Ich kann das erklären und-“
Doch Cassia dachte gar nicht daran mit zu diesem Wesen hoch zu kommen. Sie riss sich aus seinem Griff los und wollte die Tür aufreißen. Doch noch ehe sie einen Fuß vor die Tür setzen konnte, riss Parser sie grob zurück, nahm sie auf die Arme und drückte ihren Kopf so an seine Brust, dass man sie kaum verstehen konnte, wenn sie etwas sagte. So trug er sie nach oben in seine Wohnung wo er sie auf einen Sessel niederließ und ihr nur befahl, still zu sein.
Anachore hatte sich in dieser Zeit auf das alte grüne Sofa von Parser niedergelassen und atmete nun schwer und nur noch stoßweise. Ihr schwarzes Haar hing ihr in Strähnen im Gesicht. Sie hatte nicht mal mehr die Kraft, ihre Hand zu heben. Doch allein schon in der Nähe von Parser zu sein, half ihr, nicht komplett zusammen zu brechen.
Mittlerweile verstand auch Parser, dass mit ihr etwas nicht stimmte und so wandte er sich ihr zu.
„Was war es?“
„Ich vermute Achat, aber ich bin mir nicht sicher.“
Ein knappes Nicken und ein „Leg dich hin.“ Dann war Parser schon in seiner Küche verschwunden. In seinem Gesicht war Wut zu erkennen, doch sie wusste, dass diese nicht ihr galt.
Erschöpft legte sich Anachore auf den Bauch und versuchte einen Schmerzenslaut zu unterdrücken.  Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Parser mit einer Schüssel, dessen Inhalt Anachore nicht erkennen konnte, einem Handtuch und einigen anderen Dingen die sie nicht sehen konnte zurück.
„Du musst deinen Rücken frei machen.“
„Parser, ich kann mich nicht bewegen.“
„Erschreck nicht, Ann.“
„Ich versuch’s.“
Sie spürte wie ihr Mantel und ihr darunter liegendes Shirt nach oben geschoben wurden und die Kälte sich schmerzhaft in ihre Haut fraß. Ein leiser Schrei drang aus ihrem Mund hervor den sie in einem Kissen zu ersticken versuchte.
„Das Menschenmädchen“, stieß sie hervor.
„Sie wird still sein. Und du solltest es nun auch sein. Ich sorge mich, Ann.“
Parser begann mit einer Pinzette die kleinen Achat Stückchen aus den feinen Schnitten auf Anachores Rücken zu ziehen, aus denen ihre Flügel bei der letzten Verwandlung hervorgesprossen waren. Sie verlor jegliches Zeitgefühl, konzentrierte sich nur noch darauf, was er tat. Als er alle Achat Stücke entfernt hatte tunkte er das Handtuch in der Schüssel dessen Inhalt ihr unbekannt war und bereitete es auf ihrem Rücken aus. Ein scharfer Schmerz der sie auf keuchen ließ, breitete sich auf ihrem ganzen Rücken aus.  Sanft drückte  Parser ihren Kopf wieder runter in die Kissen.
„Du musst ruhig atmen und gleichmäßig. Der Schmerz wird bald vorüber gehen. Ich muss noch einmal mit dem Messer ran, Ann.“
Sie gab keine Antwort sondern konzentrierte sich nur darauf zu atmen, am Leben zu bleiben. Die Schnitte die Parser auf ihrem Rücken hinterließ spürte sie kaum noch, auch wenn sie wusste, dass sie später mehr brennen würden als alles anderes je tun könnte. Auch wenn er ein Mensch war, so war den Menschen trotzdem noch die Gabe gegeben, Magie zu wirken, auch wenn viele das nicht wussten. Und die, die es wussten, durften ihre Magie nie benutzen. Viele von ihnen taten dies auch nicht, aus Angst ausgeschlossen zu werden und als einer der Abnormen zu gelten.
Anachore versank in der Zeit, während Parser aufräumte, sie zudeckte und mit Cassia sprach, in die schwarze Welt ihres Traumlandes.

Am nächsten Morgen wachte Anachore unter Schmerzen auf. Auch wenn diese erträglicher waren als die des vorangegangen Abend so war es doch beklemmend für sie fest stellen zu müssen, dass sie sich kaum bewegen konnte. Mühsam richtete sie sich auf, schob ihr Shirt wieder runter und blickte sich suchend nach ihrem Mantel um. Sie entdeckte ihn auf der Lehne des Stuhles, auf dem Parser saß. Er schien schon die ganze Zeit wach gewesen zu sein und darauf gewartet zu haben, dass sie aufwachte.
„Wo ist das Menschenmädchen“, fragte sie mit trockener Kehle.
„Nach Hause gegangen.“
„Wie, nach Hause? Das kannst du doch nicht machen. Sie wird erzählen, dass du mir geholfen hast.“
Parser ignorierte ihren Einwand und fragte stattdessen: „Wie hast du geschlafen?“
„Bestens. Danke für deine Hilfe.“
„Dafür bin ich da.“ Ein Lächeln huschte über seine müden Gesichtszüge.
„Nein.“
„Für was sonst?“
„Um zu Leben und dein Leben zu genießen.“ Anachores Stimme wurde stiller und sie wandte den Blick von seinen grünen Augen ab.
„Du bist mir keine Last, Ann.“
„Gestern war ich es.“
„Ich möchte jetzt nicht wieder mit dir streiten“, antwortete ihr Parser nur kühl.
„Ich auch nicht. Ich gehe morgen in die Berge, Parser“, ihre Stimme war kaum mehr als ein flüstern und er musste sich vorbeugen um alles was sie sagte zu verstehen. Als er den Sinn ihrer Worte wahrnahm veränderten sich seine Gesichtszüge und sein liebevolle Miene wurde hart.
„Du gehst nicht.“
„Du kannst nicht über mich und mein Handeln bestimmen, wie du weißt. Ich wollte es dir nur mitteilen, damit du dir keine Sorgen um mich machen musst.“ Auch Anachores Miene glich sich der harten Parsers hin an.
„Aber gerade wenn du da oben bist, mach ich mir doch Sorgen. Du wirst nicht gehen. Du bleibst hier.“
„Ich kann nicht bei dir bleiben, erst recht nicht wenn die Jagd morgen losgeht. Du weißt genau wie sehr ich die Weihnachtszeit und diesen Brauch der mit ihr kommt, hasse.“
„Als du letztes Jahr dort oben warst bin ich tausend Tode gestorben, weil ich nicht wusste, wie es dir dort ergeht und ob man sich um dich kümmert.“ Parsers Blick wurde weicher und er wandte die Augen von ihr ab, damit sie nicht sehen musste, wie traurig er in seinem Inneren war.
„Und ich kam wieder. Es waren drei Monate.“
„Tausend Tode in drei Monaten“, murmelte er vor sich hin und beobachte die Schneeflocken bei ihrem Fall.
„Ich wusste von Anfang an, dass das Bündnis welches wir eingegangen sind, eine schlechte Idee war.“
„Das meinst du nicht ernst Ann. Du liebst mich.“ Parser konnte den Schmerz in seiner Stimme mittlerweile nicht mehr verbergen und er wandte seinen Blick ihr wieder zu.
„Und ich hasse die Jagd und die Angst die mit ihr kommt. Wenn mich jemand bei dir erwischt, sterben wir beide. Ich ertrag das nicht, Parser.“
„Uns wird niemand erwischen. Ich sorge dafür und du weißt das. Du erträgst den Gedanken nur nicht, dass du meine Hilfe so sehr brauchst.“
„Ich werde noch heute Abend aufbrechen.“ Mühsam richtete sich Anchore auf. Sie schwankte etwas und stützte sich auf der Lehne der Couch ab. Das schmerzliche Brennen der Runen auf ihrem Rücken setze so plötzlich ein, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Sie spürte Parsers Hand auf ihrem Rücken und wie das Brennen einer wohligen Wärme wich.
„Ich werde mit dir gehen“, wisperte er an ihr Ohr. „Und wenn du mich nicht freiwillig mitnimmst, dann folge ich dir einfach.“
„Die Wesen dort oben sind keine Menschen, das wäre dein sicherer Tod wenn du alleine gehst.“
„Dann soll es so sein.“
Anchore wandte sich ihm nun komplett zu und blickte ihm in die Augen. Sie funkelten leicht in dem Licht welches durch das Wohnzimmerfenster hereindrang. Es war im Ernst, das spürte sie in ihrer Seele.
„Dann gehen wir gemeinsam in die Berge.“

Dies war das erste Jahr, in dem Anachore sich zusammen mit Parser auf den Weg zu den Bergen machte. Sie zogen abends los, wie es Anachore vorgehabt hatte und schlichen sich erfolgreich an den Wachen am Stadttor vorbei.
Das Drachenmädchen und ihr Begleiter verbrachten drei Monate in den Bergen ehe sie in die Stadt Etabaya zurück kehrten.
Der eine tot, der andere lebendig.


Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, schreibt mir doch ein „Shapeshifter“, in die Kommentare 😉

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11 Kommentare zu „Anachore #1 [A story written by Neyla Kunta]

Gib deinen ab

  1. Was bedeutet „schreibt mir ein Shapeshifter? “ was auch immer das bedeutet. Mach ich. 😀. Einer tot einer lebendig. Cooler cliffhanger. Schön geschrieben. Ich mochte die Szene mit dem Menschenmaedchen an der Tür… Das klang richtig gefährlich…. 😈😈

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